Bild: Ausstellung Systemrelevant

Szenen aus dem Krankenhausalltag

Die Erschöpfung ist der Krankenschwester anzusehen: Wahrscheinlich hat sie gerade eine Zwölf-Stunden-Schicht hinter sich – mit letzter Kraft streift sie ihre mehrlagige Schutzkleidung ab. Die geschlossenen Augenlider und die trotz Maske zu erkennenden Gesichtszüge sind ein deutliches Zeichen: sie ist kaputt, erledigt und geschafft von ihrer kräftezehrenden Arbeit auf einer Intensivstation.

Dies ist nur eine Szene aus dem Alltag von Krankenschwestern und Pflegerinnen, die die Künstlerin Cecilia Herrero-Laffin anhand diverser Skulpturen und Bildern eindrucksvoll zeigt. „Systemrelevant“ heißt die Ausstellung, die derzeit im Foyer der SPD-Landtagsfraktion im Parlament in Düsseldorf zu sehen ist. „Seit Monaten sind Pflegerinnen und Krankenschwestern einer enormen Belastung ausgesetzt. Täglich gehen sie im Kampf mit dem tödlichen Virus an ihre Grenzen, um Patientinnen bestmöglich zu versorgen und ihr Leben zu retten. Daher könnte das Thema der Ausstellung aktueller nicht sein“, berichtet die aus dem Kreis Lippe stammende SPD-Landtagsabgeordnete Ellen Stock, die die Schau in den Landtag geholt hat.

Cecilia Herrero-Laffin stellt seit Jahren den Alltag arbeitender Frauen in unterschiedlichen Werken aus und rückt diejenigen in den Mittelpunkt, die leicht und schnell übersehen werden: Fabrikarbeiterinnen, Putzfrauen oder – wie jetzt – Krankenschwestern. „Die Künstlerin stammt zwar aus Argentinien, ist aber mit einem Lipper verheiratet und hat somit auch Wurzeln in meiner Heimat“, berichtet Stock. Als sie von der „Systemrelevant“-Ausstellung erfahren und diese gesehen habe, war sie überzeugt: Die Skulpturen müssen auch im Landtag gezeigt werden!

Für ihre „Systemrelevant“-Ausstellung hat Herrero-Laffin Gespräche und Interviews mit Krankenschwestern aus Südamerika, Spanien und Deutschland geführt und deren Schilderungen in Bildern und Skulpturen verarbeitet. „Unzählige Überstunden, die Belastung, Ängste und Sorgen, aber auch herzliche und aufmunternde Gesten – all das zeigt die Ausstellung in beeindruckender Weise“, sagt Ellen Stock. Begleittexte sowie der dazugehörige Katalog, der vom Kreis Lippe mit Unterstützung der „Servicestelle Kommunen in der Einen Welt“ erstellt wurde, runden die bis zum 30. März laufende Ausstellung ab.

Zu Beginn der Pandemie hatte das Pflegepersonal noch reichlich Applaus und Aufmerksamkeit bekommen. Dieser scheint inzwischen größtenteils verhallt, zu selbstverständlich, zu weit weg scheint der anstrengende und belastende Alltag des Krankenhauspersonals für viele Menschen zu sein. „Wir von der SPD-Landtagsfraktion haben allergrößten Respekt vor dem, was das Personal in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen leistet. Neben Anerkennung, warmen Worten und Applaus haben Krankenschwestern und Pflegerinnen aber vor allem eins verdient: höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen“, sagt Stock. Diese und viele weitere Verbesserungen um Gesundheitsbereich hat die SPD-Landtagsfraktion in einem ihrer vier Leitanträge formuliert. „Wir brauchen einen sozialen Neustart in der Gesundheits- und Pflegepolitik, davon bin ich überzeugt.“